Ist die Eutiner Gemeinschaftsschule jetzt im Abseits?

Am 22. Mai 2024 wurde in der Eutiner Stadtvertretung nach hitziger Debatte mit 15 Stimmen (SPD, Grüne, FW) zu 13 Stimmen (Bündnis Eutin, CDU, FDP) die von der Verwaltung vorgeschlagene „Variante II“ der geplanten Schulneubauprojekte beschlossen. In der Folge wird nun am Kleinen See eine Art „Super-Grundschule“ gebaut in Zusammenlegung der bisherigen Außenstelle der Grundschule vom Kleinen See mit der Gustav-Peters-Schule von der Blauen Lehmkuhle. Die dortige Grundschule hatte zwar bisher an ihrem Standort keine Not, macht aber nun das Gebäude frei für die Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule, die ja angeblich von allen dafür votierenden Fraktionen „immer mit bedacht worden ist“. Natürlich reicht die Kapazität einer Grundschule nicht für eine Gemeinschaftsschule aus, deshalb können dann auch die bereits aufgestellen Container der sogenannten Interimslösung auf dem (ehemaligen) Festplatz genutzt werden. Schüler und Lehrer der dort ausgesetzten Klassen dürfen dann über eine Ampel die Kerntangente überqueren.

Wir haben uns vor der wichtigen Abstimmung mit Schulleiter Herrn Ulmer und Kollegen (und -innen) zusammengesetzt und wollten deren Meinung hören, auch, welcher Kompromiss vielleicht der Bessere wäre, wenn das Geld für einen Neubau nicht reicht (Ausbau des Standortes Berg oder wie nun beschlossen der Umzug in die Alt-Gebäude an der Blauen Lehmkuhle). Die Lehrerschaft hatte sich gegen beide Varianten ausgesprochen. „Wir wünschen uns EINEN Standort, damit wir unser integratives Konzept endlich so umsetzen können, wie es unserem Schulauftrag entspricht.“ lautete sinngemäß die Stellungnahme der WWS. Die berechtigte, von uns geteilte Sorge lautet, dass die nun aufgedrückte Kompromisslösung keine Übergangslösung, sondern eine Dauerlösung sein wird. Bekanntlich hält nichts so lange wie ein Provisorium – vor allem, wenn das Geld der Stadt nicht reicht, nachdem die Gemeinschaftsschule warten muss, bis für ca. 50-60 Mio. die neue große Grundschule am Kleinen See errichtet wurde.

Das sind unsere Kritikpunkte an dieser Lösung im Einzelnen:

  • Die Räume der jetzigen Grundschule an der Blauen Lehmkuhle sind zu klein, um darin Gemeinschaftsschüler bis Klasse 10 nach einem integrativen Konzept zu unterrichten. Ebenso wie an der Grundschule, sind auch bei der Gemeinschaftsschule regelmäßig Schulbegleiter im Unterricht anwesend. Schon jetzt waren dazu am Berg die Räume zu klein. Die Grundschüler sitzen also zukünftig in ca. 20% größeren Klassenräumen, als die älteren und körperlich größeren Gemeinschaftsschüler. Daran ändert auch ein Erweiterungsbau nichts, falls dafür noch Geld da sein wird.
  • Statt eines gemeinsamen Standorts muss sich die Gemeinschaftsschule auf Jahre wieder auf die Unterrichtsorganisation an zwei (unattraktiven) Standorten einrichten. Weil der aktuelle Standort am Berg schon lange zu klein und sanierungsbedürftig war, sind zuletzt immer weniger Schüler an die Schule gekommen. Familien meiden die Wisser-Schule und melden sie lieber im Umland an, wo sie Anfahrtswege per Bus oder PKW in Kauf nehmen. Das wird sich auch jetzt nicht ändern. Schade! Denn Familien treffen ihre Wohnortentscheidung nicht allein aufgrund einer Grundschule, sondern immer auch wegen guter weiterführender Schulen. Hier verschenkt Eutin Potential – und es mangelt nicht an einer motivierten Lehrerschaft.
  • Die schmale Zufahrtsstraße am Kleinen See Lübsche Koppel/ Elisabethstraße ist nicht in der Lage, den Bringverkehr der Elterntaxis einer nun viel größeren Grundschule abfließen zu lassen.

Genau das war seinerzeit ein wichtiges Argument zur verwaltungsseitigen Ablehnung der sogenannten „Campuslösung“ der ersten Bürgerinitiative gewesen, welche die WWS mit der Außenstelle der Grundschule am Kleinen See in einem größeren Schulcampus vereint hätte. Viele Eutiner votierten jedoch damals für diese Lösung, die vor allem im Bereich des Sportplatzes gute Synergieeffekte gebracht hätte. Jetzt scheint dieses Argument nicht mehr zu zählen, obwohl die „Elterntaxis“ bei einer Grundschule ja noch viel mehr ins Gewicht fallen als bei einer weiterführenden Schule. Im vergangenen Jahr gab es bereits eine Machbarkeitsstudie für die Wilhelm-Wisser-Schule am Standort Blaue Lehmkuhle. Seinerzeit sah der Direktor der Gustav-Peters-Schule Synergieeffekte zwischen beiden Schulen an diesem Standort. Warum kann man diese Planung nicht fortführen und stürzt sich zum wiederholten Male in der Eutiner Geschichte in ein ausuferndes Projekt?

Also: fassen wir zusammen: für ca. 55 Mio. Euro baut Eutin jetzt eine zentrale Grundschule, die man auch hätte kleinteilig belassen und/ oder am Standort Kleiner See für eine sehr viel kleinere Summe grundsanieren können. Die Gemeinschaftsschule geht zwar an ihren Wunschplatz, jedoch nicht in die Wunschgebäude, sondern darf sich zwischen alten Grundschulklassenräumen und mausgrauen Containern aufteilen. Die Menschen Eutins sind mit Recht genervt von einer Politik, die nichts gebacken kriegt. Jetzt gibt es eine Strategie. Aber ist es auch die Richtige? Was uns alle mittlerweile eingeholt hat, ist die desolate Haushaltslage. Die Kommunalaufsicht setzt bereits bei Kreditfreigaben den Rotstift an. Fast schon gebetsmühlenartig erklärt der Stadtkämmerer Herr Bruhn, wie schlecht es um die Finanzen aussieht. In diversen Konsolidierungsrunden wurden Vorschläge der Fraktionen zu Einsparungen erbeten. Echte Ideen kamen hier vor allem von uns. Seit einem Jahr versuchen wir, das überdimensionierte Waldeck kleiner zu planen und brachten dazu mehrere Anträge in den Bauausschuss ein, die alle bisher abgelehnt wurden. Auch unser früherer Vorstoß, die Grundschule am Kleinen See nur umfassend zu sanieren, wurde fast schon verhöhnt. (siehe unser Beitrag hier) Wie frustrierend, dann mitanschauen zu müssen, wie fast alle Fraktionen außer uns die jüngsten Steuererhöhungen durchgewunken haben. Auch die Streichung bei den einzelnen Künstlern der Stadt wurde von uns nicht mitgetragen, konnte aber auch nicht verhindert werden. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass bei den (falschen) Bauprojekten dieser Stadt das größte und bessere Sparpotential liegt. Dass wir zwei Architekten an vorderster Front haben, die das einschätzen können, wird uns von mancher Fraktion pauschal als Besserwisserei angekreidet.

Aber uns interessiert sehr Ihre Meinung als Eutiner Bürgerinnen und Bürger – kommen Sie zu unserem Stammtisch und sprechen Sie mit uns – oder vielleicht haben Sie selber Lust, sich ins Getümmel der Kommunalpolitik zu begeben? Wir freuen uns immer über Verstärkung!

1 Kommentar zu „Ist die Eutiner Gemeinschaftsschule jetzt im Abseits?“

  1. Guten N’Abend, es ist unfassbar wie mit der Zukunft EUTIN’s umgegangen wird. Die Schüler *innen der WWS, die größtenteils ins Handwerk, Einzelhandel …… gehen und uns in der Region erhalten bleiben, wird die Schulzeit richtig schwierig gemacht.
    Nach langen hin und her sollen sie jetzt in die Grundschule Blaue Lehmkuhle.
    Aber ich befürchte da ist jetzt nichts mehr zu retten.
    Für die „Alten“ wird vieles ermöglicht
    aber Kinder haben keine Lobby und kein Wahlrecht.
    Schönen Abend noch

    Jutta Beer

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