Tribünen-Neubau am Waldeck wird viel zu teuer

Schon wieder den Maßstab vergessen: Chronologie eines ausufernden Bauprojektes

Eutin hat ein Problem: wie schon beim geplanten Schulneubau als auch jetzt bei der in den Startlöchern stehenden Waldeck-Tribüne ist innerhalb von rund 2 Jahren aus einem gut gemeinten Projekt mit vernünftigem Kosten-Leistungs-Verhältnis ein Kosten-Moloch geworden.

In Bezug auf den Tribünen-Neubau am Waldeck heißt dies in Zahlen eine Steigerung von 3,75 Mio. geschätzte Planungskosten auf aktuell 9,8 Mio. Euro. Beiden Projekten ist gemeinsam, dass offenbar niemand die planungsfreudigen Architekten an den ursprünglich vereinbarten Kostenrahmen erinnert hat und die dafür eigentlich zuständige Stadtverwaltung lediglich die jeweiligen Interessengruppen nach ihren Wünschen gefragt hat.

Aus unsere Sicht ist es ein Skandal, dass Verwaltung und Selbstverwaltung hier auch der Kommunalaufsicht zuwider gehandelt haben. Denn bereits im Mai 2021 wurde Eutin von der Kommunalaufsicht eine „Haushaltsnotlage“1 und damit eine potentielle Förderfähigkeit von 90% der Gesamtkosten bescheinigt. Das war dann für den Fördermittelantrag ausschlaggebend, in dem es u.a. heißt: „Im November 2020 wurde der politische Beschluss gefasst, dass eine vollständige Sanierung nur vorbehaltlich der Zuweisung aller beantragten Fördermittel in Höhe von mindestens 80% erfolgen kann.“ Dass eine Förderquote von 80% eingehalten werden müsse, hatte bereits der Schulausschuss am 3. November 2020 beschlossen. Damals war es namentlich Matthias Rachfahl (CDU), der im besonderen Maße Bedenken in Bezug auf die Kosten anmeldete.2

Am 12.07.2021 erging der Fördermittel-Zuwendungsbescheid: gefördert wird mit 3 Mio. Euro aus Bundesmitteln ein eingeschossiges Gebäude mit Fotovoltaikanlage und mit vorgelagerter Tribüne ohne Zuschauerdach und dem Hinweis, dass von der Bauplanung nicht wesentlich abgewichen werden dürfe.3

Im Dezember 2021 fasste die Stadtvertretung wiederum den Beschluss, dass die Gesamt-Maßnahme unter Einhaltung der dieser 80% Förderquote umgesetzt werden sollte.

Zu dieser Zeit hantierte man mit Kostenschätzungen von insgesamt 3,75 Mio. Euro für die neue Tribünenanlage. Der Eigenanteil der Stadt Eutin sollte also zu diesem Planungsstadium 750.000 Euro betragen. (Übrigens ist die „Endabnahme“ des aktuellen Planungsstandes noch nicht erfolgt und auch die 3 Mio. Euro Fördergelder noch nicht in völlig „trockenen Tüchern“)

In dieser Gemengelage wird deutlich, dass es möglicherweise gar nicht zulässig war, das Bauvolumen auf aktuell 9,8 Mio. Euro aufzustocken! Es widersprach den Beschlüssen der Ausschüsse und der Stadtvertretung und auch dem genehmigten Fördermittelantrag.

Eine Verzehnfachung des städtischen Eigenanteils! Ein Schrumpfen der Förderquote auf ca. 30%!

Was war passiert? Vor allem bei der Präsentation des Vorentwurfs im Frühjahr 2023 durch den Architekten im Bauausschuss war das gesamte Bauprojekt plötzlich in jede Richtung expandiert:

So wurden mehr Räume eingeplant, das ganze Gebäude deutlich höher gesetzt, den Zuschauern ein Dach gegönnt und das ganze noch unter dem Klimagesichtspunkt mit Gründach und Wärmepumpen ausgestattet. Damit die Höhe barrierefrei erreichbar ist, braucht es einen Fahrstuhl, den es in den Ursprungsüberlegungen nicht gegeben hatte.

Die Mitglieder im Bauausschuss durften über verschiedene Varianten abstimmen und freuten sich mehrheitlich, dass es voran geht. Die Kostensteigerung auf damals 7,6 Mio. Euro wurde genannt, aber es wurde an keiner Stelle darauf hingewiesen, dass diese Summe unter der ursprünglich gefassten Beschlusslage nicht zulässig war.

Wir vom Bündnis Eutin stimmten als Einzige Fraktion gegen die Freigabe der nächsten Leistungsphase und hätten lieber den Architekten mit einer Kürzungsliste zurückgeschickt.

Durch diese im Zusammenspiel mit einer wirklich schlechten Architektenleistung (ungenutzte Zwischenräume und Raumhöhen) sind die Kosten explodiert und werden auch die Unterhaltungskosten deutlich höher bleiben, als es mit der kleineren Ursprungslösung der Fall sein würde.

Müssen es um jeden Preis Wärmepumpen sein?

Zugegebenermaßen hat die Stadtverwaltung Recht, wenn sie argumentiert, dass fossile Energieträger wie eine von den Einstandskosten her günstigere Gasheizung den Förderrichtlinien und auch dem (Bundes-) politischen Willen widerspricht. Immerhin hat auch die Stadt Eutin den Klimanotstand ausgerufen und möchte hier aktiv und vorbildhaft vorangehen. In einer Erklärung per Email unserer Fraktion gegenüber lässt die Stadtverwaltung mitteilen, dass: „…. der 100%ige Einsatz erneuerbarer Energien im Projekt technisch möglich ist und auch keinen unangemessenen Aufwand darstellt….“.

Offensichtlich ist es Ansichtssache, was ein „unangemessener Aufwand“ ist, denn:

Die Wärmepumpenanlage kostet mitsamt der notwendigen Lüftungs- und Haustechnik ca. 3,6 Mio. Euro und damit 5 bis 10 Mal so viel wie eine Gasheizung mit Solarthermie zur Brauchwassererwärmung. Dieser Kostenrahmen war bei der ersten Schätzung des Bauvolumens durch die Verwaltung als Ausgangslage für die Beschlussfassung noch nicht bekannt. Sonst wäre klar gewesen, dass allein dadurch der Fördermittelanteil von 80% niemals hätte eingehalten werden können.

Ist die Stadt Eutin nun verpflichtet, diese teure Anlage zu installieren? Es gäbe den Ausweg, beim zuständigen Projektträger einen Antrag zu stellen, die teilweise Nutzung fossiler Energien zu erlauben. Eine Begründung durch die Haushaltslage wäre möglich. Das wurde uns bei einem Telefonat mit dem Projektträger in Aussicht gestellt.

In diesem Zusammenhang müssen wir auch auf §5 des Gebäudeenergiegesetzes verweisen. Darin steht der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz festgeschrieben. Energiesparende Maßnahmen und die Installation umweltfreundlicher Technologien dürfen und müssen wirtschaftlich (einigermaßen) sinnvoll sein.

Immernoch und wieder: Haushaltsnotlage in Eutin!

Ein großes finanzpolitisches Problem tritt ja gerade aktuell zu Tage: derzeit beraten alle politischen Fraktionen über mögliche Einsparpotentiale und Steuererhöhungen. Die Verwaltung hat ein Maßnahmenpaket zur Disposition gestellt, über deren Einzelpositionen demnächst weiter verhandelt und abgestimmt werden soll. Es geht darum, für den kommenden Haushalt 2024 ca. 2,5 Mio. Euro mehr zur Verfügung zu stellen, gewonnen aus Einsparungen und Steuererhöhungen.

Wie weiter oben bereits genannt, wurde uns von der Kommunalaufsicht bereits 2021 die „Haushaltsnotlage“ offiziell bescheinigt, damit wir überhaupt die maximal mögliche Förderung bekommen können.

Wäre es nicht Aufgabe der Verwaltung gewesen, den Architekten und die Technikplaner bei aller Gestaltungsfreude immer wieder auf den Kostenrahmen und das Diktum der offiziell beschlossenen 80% hinzuweisen?

Wie leicht könnte man diese 2,5 Mio., die der Stadt Eutin fehlen, beim Waldeck-Tribünenbau einsparen!

Vor diesem Hintergrund hatten wir beim letzten Bauausschuss am 08.11.2023 einen Versuch unternommen, das überdimensionierte Bauprojekt „Sporttribüne am Waldeck“ durch Sparmaßnahmen um 2,5 Mio. Euro schlanker zu machen, da es sich aus unserer Sicht bei einzelnen Aspekten der Baumaßnahme durchaus um Steuergeldverschwendung handelt.

Das waren unsere Argumente zu Einsparmöglichkeiten

Unser Antrag im BEFA am 08.11.23 beinhaltete folgende Einspar-Ideen:

  • Die Tribüne (wieder) weniger hoch bauen: der aktuelle Entwurf sieht vor, dass die Sitzreihen erst ab einer Höhe von 2,50 m beginnen und dadurch die Räume des Erdgeschosses (Umkleiden, Duschen, Flure, Technikräume) gem. vorliegender Entwurfsplanung des Architekten eine lichte Raumhöhe 5,62m haben. Was für ein unnützes Raumvolumen, was nicht nur gebaut, sondern im späteren Betrieb auch noch beheizt werden muss!

Wir sehen keinen Grund, warum die erste Sitzreihe nicht ebenerdig beginnen kann. Wenn die Tribüne in Gänze nicht so hoch ausfällt, kann auch der teure und wartungsaufwändige Fahrstuhl entfallen: eine Rampe für den barrierefreien Zugang wäre ausreichend.

  • Wärmepumpen für Heizung und Brauchwassererwärmung sind keine sinnvolle Lösung für einen nur temporär genutzen Umkleide- und Tribünenbau. Durch träge Fussbodenheizungen ist die Temperatur nicht schnell regulierbar, ausserdem machen leistungsschwache Wärmepumpen den Einsatz einer kontrollierten Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung erforderlich. In der Summe übersteigen so die Kosten für die Haustechnik die des Bauwerks an sich – der absolute Wahnsinn!

Eine Gasheizung in Verbindung mit klassischen Heizkörpern und eine Solarthermie-Brauchwassererwärmung wäre eine sinnvolle Alternative und würden nur 1/5 bis 1/10 der bisher veranschlagten Haustechnikkosten verursachen.

  • Das Gründach: Natürlich lieben alle naturverbundenen Menschen Gründächer, keine Frage! Hier soll aber ein riesiges auskragendes Dach ausgerechnet im vorderen Bereich, wo die Lasteinwirkung am Kritischsten ist, mit einer Schicht von mind 100kg/m2 beschwert werden. Durch die Wasserspeicherfähigkeit bei Regen kann sich bei Sturzregen die Last noch um ein vielfaches verstärken, da das Wasser nicht so gut abfließen kann wie bei einem „normalen“ Dach. Die Mehrkosten betragen 100.000 Euro.

Unser Antrag wurde übrigens abgelehnt. Aber wir haben das Waldeck erneut auf die Tagesordnung im kommenden Bauausschuss gesetzt, um an die ursprüngliche Beschlussfassung zu gemahnen und in der Hoffnung, doch noch Einsparungen anregen zu können.

Um es ganz klar zu sagen: wir gönnen den Sportlern eine solide Tribüne mit ausreichend Sitzplätzen und Umkleiden! Aber in Zeiten der angeordneten Sparsamkeit müssen Planer und Sportler wieder zurückschauen auf die einfachere Tribünenvariante, für die ursprünglich der Förderantrag gestellt worden war.

Autoren: Antje Lück-Langer, Stephan Langer, Helge Rödling

Einsparmöglichkeiten im Bild:

Visualisiert von Stephan Langer


1Aus dem Schreiben der Kommunalaufsicht des Kreises Ostholstein an den Eutiner Bürgermeister vom 20.05.2021: „Eine zusätzliche Verschuldung muss angesichts der defizitären Finanzlage aber so gering wie möglich gehalten werden. Die Stadt Eutin ist daher zur Sicherstellung der Finanzierung auf eine höchstmögliche Förderung angewiesen.

2Aus dem Beschlussauszug des Schulausschuss vom 03.11.2020: „Herr Rachfahl fragt noch einmal, ob nach einem möglichen Grundsatzbeschluss heute, bei einer evtl. niedrigeren ausgewiesenen Förderung (z.B. 60%) die Stadt verpflichtet sei, die Maßnahmen umzusetzen. Er fordert hier eindeutige Klarheit.Zum Beschluss:Die Sanierungsmaßnahmen sind entsprechend der bisherigen Planungen sowie vorbehaltlich der Zuweisung aller beantragten Fördermittel, in Höhe von mindestens 80 Prozent, umzusetzen. Die Reihenfolge und die baulichen Inhalte der Projekte sind im Bau-, Entwässerung und Feuerwehrausschuss zu beraten.

3Aus dem Zuwendungsbescheid vom 12.07.2021: „Von den Bauunterlagen darf nur insoweit abgewichen werden, als die Abweichungen nicht erheblich sind. Wenn die Abweichungen zu einer wesentlichen Änderung des Bau- und Raumprogramms, einer wesentlichen Erhöhung der Betriebskosten oder einer wesentlichen Überschreitung der Baukosten führen, bedürfen sie vor ihrer Ausführung der Zustimmung durch die Bewilligungsbehörde.

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