Unser Antrag für die Wilhelm-Wisser-Schule

Es ist richtig, was der Ostholsteiner Anzeiger heute unter der Überschrift “Welche Schulen braucht die Stadt?” schreibt: “Um Eutins Schulneubauten wird seit Jahren, gar Jahrzehnten gerungen und diskutiert – bislang ohne einen Stein zu bewegen.”

Tatsächlich gerungen wurde im letzten Jahrzehnt vor allem um die Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule. Viel zu kleine und zu wenige Fachräume, eine desolate Turnhalle und kaum Bewegungsfreiheit auf dem Schulhof. Der Standort am Berg war für das Projekt einer Gemeinschaftsschule schon immer zu klein gewesen; die 5. und 6. Klassen wurden deshalb an der Außenstelle am Kleinen See unterrichtet und von einer Oberstufe mit Abitur-Möglichkeit durfte bislang nicht mal geträumt werden, denn es gibt ja gleich zwei Gymnasien und zusätzlich das beliebte Berufliche Gymnasium des Kreises Ostholstein, die dieses Feld besetzen.

Stadtverwaltung und Mehrheitsparteien der Selbstverwaltung wollten in der Vergangenheit stets lediglich den Standort am Berg ertüchtigen und berücksichtigten die räumliche Enge nur unzureichend. Deshalb gab es bereits zwei Bürgerinitiativen Eutins zugunsten eines Neubauprojektes mit viel mehr Platz. Aber sowohl die Campuslösung am Kleinen See vor ca. 10 Jahren als auch die Bürgerinitiative zugunsten eines Neubaus an der Blauen Lehmkuhle erfuhren viel Gegenwind von den entscheidenden Stellen.

Zwischenzeitlich hatte sich die Grundschule am Kleinen See (eine Außenstelle der Gustav-Peters-Schule) im Rennen um einen geplanten Schulneubau nach vorne gebracht. Wären beim dortigen Architektenwettbewerbsprojekt nicht die geplanten Kosten so davongaloppiert (von 18 Mio. auf 60 Mio. nur in der Planungsphase), würden da vermutlich bereits die Bagger rollen. Im September 2023 wurde dieses Projekt in der Stadtvertretung auch unter unserer Mitwirkung gestoppt und in einer “Task Force” zwei Kompromisslösungen erarbeitet, über die in der Stadtvertretung am 22. Mai 2024 endgültig abgstimmt werden wird.

Für die Wilhelm-Wisser-Schule könnten dies jedoch zwei “faule” Kompromisse sein. Die Wahl steht wiederum für die Gemeinschaftsschule zwischen einer baulichen Ertüchtigung des alten Standortes am Berg oder dem Umzug in zwei verschiedene Gebäude am Standort Blaue Lehmkuhle: der freiwerdenden alten Grundschule (Gustav-Peters-Schule) und zusätzlich in die Interims-Schulcontainer, die auf dem Festplatzgelände in tristem Grau aufgestellt worden sind.

Die völlig berechtigte Befürchtung der Lehrerschaft und Schulleitung der Wilhelm-Wisser-Schule ist, dass diese “Übergangslösung” von Bestand sein wird und dann auf unbestimmte Zeit wieder kein einheitlicher Standort vorhanden ist, um das integrative Schulkonzept auch wirklich umsetzen zu können.

Wir haben mit dem Schulleiter der Gemeinschaftsschule, Herrn Ulmer, und VertreterInnen des Kollegiums gesprochen und dürfen diese Aussage Herrn Ulmers hier veröffentlichen: “Wir stimmen weder Variante 1 noch Variante 2 zu. [gemeint sind die zur Abstimmung stehenden Vorschläge aus der Task Force] Wir wünschen uns eine Schule an einem Standort, an dem wir unsere Verpflichtungen als echte Gemeinschaftsschule erfüllen können.

Wir bringen daher als Fraktion Bündnis Eutin folgenden Antrag in die Stadtvertretung ein:

Antrag zur Stadtvertretersitzung am 22.05.2024
betreffend Haushaltskonsolidierung und Priorisierung Schulbauten:

Die Wilhelm-Wisser-Schule erhält Priorität 1 zur Entwicklung eines Schulstandortes, an dem alle Klassen und Einrichtungen untergebracht werden können. Das wird nach derzeitiger Erkenntnis nur am Standort Blaue Lehmkuhle (Freifläche) sein. Dies ist nach14 Jahren Provisorium seit Einrichtung der Gemeinschaftsschule die wichtigste schulpolitische Aufgabe in Eutin.
Die Grundschule Am kleinen See behält ebenfalls Priorität 1, wobei ein Umzug in die frei werdenden Schulgebäude am Berg mit ca. 10 Mio € Kosten für Sanierung und Instandsetzung die wirtschaftlichste Variante darstellt.

Die Grundschule Blaue Lehmkuhle (auch bisher gar keine Priorisierung) bleibt erhalten. Diese Lösung erfordert insgesamt nur eine Investition von 65 Mio €.

Begründung:
Der Schulversorgung ist als Pflichtaufgabe der Kommune der Vorrang vor den freiwilligen Leistungen einzuräumen. Durch die großen Bauvorhaben Freilichtbühne und Feuerwehr sowie die allgemeine Haushaltslage ist die finanzielle Spielraum der Stadt allerdings äußerst begrenzt. Es kann auch nicht das Ziel sein, sämtliche sozialen und kulturellen Leistungen abzuschaffen und daher ist bei den unvermeidlichen Pflichtaufgaben äußerste Haushaltsdisziplin einzuhalten.
Die Wilhelm-Wisser-Schule wurde als Gemeinschaftsschule vor 14 Jahren mit der Schulreform aus der Haupt- und Realschule geschaffen. Seinerzeit wurde auch beschlossen, die räumlichen Voraussetzungenfür einen derartigen Schulbetrieb zu schaffen – allerdings ist dies bis heute gescheitert. Die Gemeinschaftsschule stellt jedoch die einzige Alternative zu den Gymnasien dar und leidet derzeit an ihrer mangelnden Attraktivität und der Belastung, inklusive Aufgaben wahrzunehmen ohne über die Räume dafür zu verfügen. Das führt zur Abwanderung von Schülern und Lehrern ins Umland und zur vermehrten Belastung der Gymnasien mit Schülern, die dort suboptimal beschützen werden können. Dieser Situation kann nur mit einem Neubau, der den Anforderungen dieser Schulformen gerecht wird abgeholfen werden. Der frei werdende Standort am Berg bietet sehr gute Voraussetzungen für die Unterbringung der Grundschule. Viele heute vorhandene Fachräume können für Differenzierungen genutzt werden. Die kleinräumliche Struktur von Turnhalle und Pausenhof kann gut an die Bedürfnisse kleinerer Kinder angepasst werden.

Antragsformulierung: Olaf Blanck, Textbeitrag: Antje Lück-Langer

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